22.01.2019

94. Ausstellung "Kunst in der Villa Eschebach"

ASA "NEUGIER eins bis vier"

Fotografie

Die Neugier wird seit jeher merkwürdig gegensätzlich beurteilt: Die einen verdammen sie als Laster der schamlosen Zudringlichkeit, die anderen preisen sie als Weg zum Wissen und Antriebskraft des Fortschritts. Dabei sind gerade die Feinde der Neugier selbst oft sehr
neugierig. Die katholische Kirche verdammte die Neugier als Sünde, forschte aber eifrig die Seelen ihrer Gläubigen aus. Alle Diktaturen hüten streng ihre Staatsgeheimnisse,
bespitzeln jedoch unablässig ihre Untertanen. Und auch die Internetkonzerne der Gegenwart
sammeln unersättlich die Daten der Nutzer, halten die Geheimnisse ihrer Algorithmen aber unter Verschluss.
Wissen ist Macht. Wer Macht besitzt und verteidigen will, der versucht, seine Mitmenschen auszuforschen, sie aber zugleich im Dunkeln zu lassen und möglichst wenig von sich selbst preiszugeben.
Die Neugier der Machtlosen, die verbotenerweise hinter die Kulissen blicken, kann hingegen ein erster Schritt zur Befreiung sein. Der Polizist, der seine Hand vor die Linse des Fotografen hält, ist der Verteidiger des Unrechts. Revolutionen beginnen oft mit der Aufklärung zuvor unsichtbarer Verhältnisse. Aber auch dort, wo keine Unfreiheit mehr herrscht, kann der Neugierige den Blick seiner Zeitgenossen auf verdrängte Übel, vergessene Menschen und unbekannte Schönheiten lenken.
Die vier Künstler der ASA-Gruppe Fotografie, Frank Höhler, Thomas Kläber, Georg Krause und Jürgen Matschie, haben sich schon zu Zeiten der DDR die Neugier nicht verbieten lassen. Als Fotografen verbindet sie in ihrem Zusammenschluss kein festes Programm, aber ein gemeinsames Interesse an der gesellschaftlichen Realität. Ihre Bilder zeigen dem Betrachter oft sprechende Szenen des Alltags, führen ihn an ungewöhnliche, verborgene Orte oder machen ihn mit Menschen bekannt, denen gewöhnlich keine Aufmerksamkeit gilt. Die Neugier der vier Fotografen ist eine der besten Art: Sie tritt nicht zudringlich und herablassend auf, sondern begegnet den Menschen und den Dingen mit offenem Sinn und erweitert so unsere Kenntnis der Welt.
Michael Bittner

Ausstellungseröffnung

Dienstag, 22. Januar 2019, 19.00 Uhr
Villa Eschebach, Georgenstraße 6, 01097 Dresden

Organisation: Thomas Lohse, Dresden
Begrüßung: Thomas Müller, Vorstandssprecher der Volksbank Dresden-Bautzen eG
Laudatio: Michael Bittner, Dresden
Musikalische Umrahmung: Thomas Friedlaender, Dresden

Die Ausstellung läuft bis zum 22. März 2019.